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Serie „Der Blick von aussen"

DHL-Logistiker zur Visite in Berlin-Buch

Von der Essenlieferungen bis zur Müllentsorgung – es gibt kaum einen Prozess im Krankenhaus, an dem die Logistik nicht beteiligt ist. Gemeinsam mit dem DHL-Logistiker Till Wesche haben wir die Logistik am Standort Berlin-Buch besucht. Wir wollten wissen: Wie beurteilt der Fachmann die logistischen Prozesse?
Fasst mehr als 1.200 Artikel: In Berlin-Buch befindet sich eines der zwei Zentrallager der HELIOS Region Mitte-Nord.

Im HELIOS Klinikum Berlin-Buch laufen die logistischen Prozesse der acht Akutkliniken der HELIOS Region Mitte-Nord zusammen – und hier befindet sich eines der zwei zentralen Lager der Region. Rund 1.200 Artikel werden in Buch aufbewahrt, täglich werden rund 520 Artikel geliefert, einsortiert und auf die Stationen oder den Operationssaal verteilt.

Den Löwenanteil macht dabei das medizinische Verbrauchsmaterial wie Verbände, Kanülen, Spritzen oder Kompressen aus. Darüber hinaus lagern hier Blöcke, Vordrucke, aber auch Windeln und Babynahrung. Ähnlich aussehende Artikel werden an unterschiedlichen Stellen gelagert, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.

„So eine Logistik im Krankenhaus ist vergleichbar mit der eines Supermarkts“, findet Logistik-Fachmann Till Wesche. Er ist beim internationalen Logistik-Dienstleister DHL im Bereich Supply Chain für die Entwicklung des Geschäftsfelds Gesundheitswesen in Deutschland verantwortlich. „Sie wissen nie welche Anzahl von welchem Produkt heute verbraucht wird, aber Sie müssen morgen wieder alles in maximaler Menge vorrätig haben.“

2,2 Millionen Kleidungsstücke stellt der Wäscheautomat pro Jahr für die rund 2.000 Mitarbeiter zur Verfügung.

Ein weltweit operierendes Unternehmen wie DHL arbeitet natürlich in ganz anderen Dimensionen. „Unter einer Region verstehen wir bei DHL Europa, Nordamerika oder Südostasien“, erklärt Till Wesche schmunzelnd. „Aus dieser Perspektive hätten wir wahrscheinlich gar kein Lager mehr im Krankenhaus, sondern vielleicht ein oder zwei zentrale Lager, und würden über diese die Versorgung für das ganze Unternehmen organisieren.“

2,2 Millionen Kleidungsstücke für 2.000 Mitarbeiter

Ohne Logistik ginge auch am Kleiderautomaten nichts. Hier werden alle rund 2.000 Mitarbeiter des Hauses – von Ärzten und Krankenschwestern bis hin zu den Mitarbeitern aus der Technik und den Logistikern selbst – mit Dienstkleidung versorgt.

2,2 Millionen Hosen, Kasacks oder Kittel werden im Laufe eines Jahres bereitgestellt. Jeder Mitarbeiter hat dabei ein Budget an Kleidungsstücken. Mit Hilfe eines Chips bucht der Automat das ausgewählte Kleidungsstück auf die jeweilige Personalnummer. Ist das Budget erschöpft, müssen erst Kleidungsstücke zurückgegeben werden, damit ein neues ausgeliehen werden kann.

Jeden Morgen um fünf Uhr kommt der Lastwagen: 70 Container mit frischer Wäsche werden angeliefert und einsortiert. Im Austausch dazu nimmt der LKW die Schmutzwäsche mit in die Wäscherei.

Über 90 Prozent der Lagerware sind in Modulen organisiert

Ein Logistiker nur für den OP: Versorgungsassistent Christian Weber erklärt, wie die Modulversorgung organisiert ist.

Die Stationen und der OP werden mit Hilfe von Modulen versorgt. „Das ist sozusagen die ‚Speisekammer’ der Station“, erklärt Ulf-Eckart Ulrich, Regionalleiter Logistik der HELIOS Region Mitte-Nord.

„Gemeinsam mit der Stationsleitung und der Pflegedirektion legen wir fest, was in das Sortiment hineingenommen wird und wie häufig es geliefert wird. Eine chirurgische Station hat da natürlich ganz andere Anforderungen als die Augenklinik. Dies liefern wir dann je nach Bedarf einmal täglich oder zwei- bis dreimal in der Woche.“

Till Wesche ist erstaunt: „Da sind Sie hier schon sehr weit. In vielen Kliniken steckt die passende Modulversorgung noch in den Kinderschuhen.“

Auch im Operationssaal spielt das Modulsystem eine wichtige Rolle. Versorgungsassistent Christian Weber ist hier seit drei Jahren für die Versorgung mit allen wichtigen Materialien zuständig. „Dass ein Logistiker direkt im OP arbeitet, ist relativ neu. Früher war das Aufgabe der Pflegekräfte“, erklärt Ulf-Eckart Ulrich. Bei durchschnittlich 100 Operationen am Tag müssen die 160 Schränke zweimal täglich neu bestückt werden.

Alle Transporte innerhalb der Klinik werden von der Leitstelle aus gesteuert.

Das Herzstück der Logistik

Zum Abschluss geht es in das Herzstück der Regionallogistik: die Leitstelle. Dort steuert Disponent Marcel Kenner über seine Monitore alle Transporte innerhalb der Klinik.

Die Leitstellen in Zehlendorf und Bad Saarow sind bis zum Nachmittag besetzt, danach übernimmt Buch auch die Disposition für die beiden Kliniken.

Inzwischen laufen die Prozesse alle digital. Die Transportsteuerungssoftware, das „digitale Logbuch“ wurde in Buch entwickelt. Jeder Mitarbeiter des Transportdienstes erhält eine Art Smartphone, auf dem er seinen Auftrag bekommt und dann bei jedem Schritt seines Auftrags den Status aktualisiert – von „angenommen“ bis zu „Patient übergeben“. Der Disponent kann gleichzeitig den Status aller Aufträge am Bildschirm verfolgen.

„Die Bucher sind enorm weit“

Ein Algorithmus erkennt, welche Ressourcen wo frei sind, und kann dann den Folgetransport so planen, dass der Mitarbeiter ihn ohne großen Zeitverlust oder Umwege anschließen kann.

„Dadurch, dass wir alles mit Zeitstempel verfolgen können, sehen wir, wo zum Beispiel Wartezeiten sind und können dort gezielt gegenarbeiten“, erklärt Ulrich. „Denn die Transporte sind ja fast immer zeitkritisch – ein Arzt oder der OP warten auf uns.“

Till Wesche ist beeindruckt von dem, was er gesehen hat. „Besonders bemerkenswert finde ich, dass hier alle so zukunftsgewandt sind. Es ist meist sehr schwer, eine Erneuerungsstruktur in so einem relativ stark regulierten Bereich wie einem Krankenhaus zu etablieren. Da sind die Bucher enorm weit.“

Logistik in Zahlen

  • Alle Logistiker der Region Mitte-Nord laufen zusammen täglich 2.929 Kilometer – das sind knapp 70 Marathonläufe am Tag.
  • Für die Anlieferung von Speisen kommen allein in Buch täglich 282 Speisewagen an. Stellt man die Jahresmenge an Speisewagen hintereinander, wäre die komplette Strecke des Berliner Mauerradwegs vollgestellt.
  • Die Vervielfältigung stellt jährlich über 1 Million Kopien her – das wären rund 2.400 Bücher im Jahr.
  • Über eine halbe Million Patiententransporte werden in den beiden Berliner Kliniken und dem HELIOS Klinikum Bad Saarow begleitet.
  • Der Güterfahrdienst legt jährlich eine Strecke zurück, mit der man 2,4 Mal zum Mond und wieder zurück reisen könnte.

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