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Fehler des Monats

Aufklärung über Behandlungsalternativen/konservatives Vorgehen

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler – damit wir bei Helios die Fehler nicht alle selbst machen müssen, bevor wir aus ihnen lernen können, stellen wir monatlich anonymisierte Einzelfälle aus der zentralen Haftpflichtbearbeitung vor.

Stand vor einigen Jahren die Aufklärung über die Risiken einer Operation im Mittelpunkt, gerät das Thema Indikationsstellung und Aufklärung über Behandlungsalternativen, insbesondere über das konservative Vorgehen, immer mehr in den Fokus der medizinischen Begutachtung.


Bei einer 43-Jährigen mit typischen Herzinfarktzeichen und beginnendem Myokardinfarkt führte der Notarzt erfolgreich eine Erstbehandlung durch. Stationär wurde eine Gefäßverengung mit einem Stent versorgt, darüber hinaus wurden keine weiteren Funktionsstörungen festgestellt. Unter prophylaktischen Überlegungen wurde der Patientin ein Gerät zur automatischen Behandlung von Herzrhythmusstörungen (ICD) implantiert, in dessen Folge es zu diversen Komplikationen kam.

Der dafür verwendete Aufklärungsbogen erweckte irreführend den Eindruck, dass bei der Patientin anhaltende lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen vorliegen würden, die die Implantation eines ICD (zwingend) notwendig machten, obwohl diese nach Definition der Leitlinie noch nicht gegeben waren.

Bei einer 63-Jährigen lag osteoporosebedingt eine Wirbelkörperfraktur vor, die mittels einer sogenannten Kyphoplastie (ein Verfahren zur Wirbelstabilisierung) operativ versorgt wurde. Intraoperativ kam es zu einem Zementaustritt in den Spinalkanal; dieser machte eine erneute Operation notwendig. Als Operationsindikation waren zuvor lediglich 3-wöchige Schmerzen im Lendenwirbelbereich dokumentiert worden.
Laut Gutachter ist eine Kyphoplastie zwar prinzipiell eine geeignete Behandlungsmethode; im Fall konnte eine Indikation u.a. wegen fehlender Angaben zu präoperativen Beschwerden oder alternativen Behandlungsmöglichkeiten (z. B. medikamentöse Schmerztherapie) nicht nachvollzogen werden. Ebenso war in der Bildgebung der Befund nicht ausreichend belegt.

FAZIT: Ist keine OPERATIONSINDIKATION gegeben, kann diese auch nicht über die Aufklärung juristisch „geheilt“ werden. Die Operationsindikation ist immer vom Krankenhausarzt selbst zu prüfen und die Grundlage seiner Einschätzung zu dokumentieren; sowie entsprechende Befunde zu erheben.

Bei einer indizierten Operation ist nicht nur über Risiken, sondern insbesondere auch über gleichwertige Behandlungsmethoden aufzuklären. Hierzu gehört auch die Aufklärung über die Möglichkeit, mit dem vorgesehenen Eingriff zu warten bzw. konservative Maßnahmen (etwa Veränderung des Lebensstils, Medikation) auszuschöpfen.

Mehr Informationen für Mitarbeiter unter: http://myhelios.helios-gesundheit.de/ fehlerdesmonats

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