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Fehler des Monats

Aufklärung fremdsprachiger Patienten mit Hilfe von Angehörigen

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler – damit wir bei HELIOS die Fehler nicht alle selbst machen müssen, bevor wir aus ihnen lernen können, stellen wir monatlich anonymisierte Einzelfälle aus der zentralen Haftpflichtbearbeitung vor.

Nicht nur der Zuzug von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren, sondern auch ein jüngeres obergerichtliches Urteil gibt Anlass, sich die Anforderungen an die Aufklärung von fremdsprachigen Patienten nochmals zu vergegenwärtigen. Denn den Nachweis einer ordnungsgemäßen Aufklärung hat grundsätzlich der Arzt zu führen.

Das OLG Köln hat entschieden, dass sich ein Arzt nicht einfach darauf verlassen kann, dass ein Angehöriger das Gespräch vollständig und korrekt übersetzt. Der Arzt muss sich zunächst auch einen Eindruck von den deutschen Sprachkenntnissen des Übersetzers verschaffen. Im Rahmen der Haftpflichtfallbearbeitung fällt gelegentlich auf, das nicht in jedem Fall auf Basis der Aufklärungsdokumentation klar nachvollziehbar ist, ob die rechtlichen Anforderungen erfüllt worden sind.

Was zu beachten ist

Im angesprochenen Urteil (Az.: 5 U 184/14) wurde gerügt, dass die Ehefrau, die als „Übersetzerin“ fungierte, nur bruchstückhaft Deutsch sprechen würde. Grundsätzlich reicht eine sprachkundige Person, die das Gespräch übersetzt. Das können Angehörige oder Mitarbeiter des Krankenhauses sein. Ein zertifizierter Dolmetscher ist nicht notwendig.

Um sich von den Fähigkeiten des „Übersetzers“ zu überzeugen, sollte der Arzt zunächst ein Gespräch mit diesem Übersetzer voranstellen und das Ergebnis kurz dokumentieren. Idealerweise überprüft der Arzt zum Abschluss der Aufklärung durch gezielte Rückfragen an den Patienten, ob die Aufklärung tatsächlich verstanden worden ist (ebenfalls kurz dokumentieren). Der Name des Übersetzers und das Verhältnis zum Patienten sollten festgehalten werden und der Übersetzer den Bogen mit unterschreiben.

Nach Möglichkeit sollten fremdsprachige  Aufklärungsbögen – die heute in vielen Sprachen verfügbar sind – als Gesprächshilfe verwendet werden. Diese ersetzen wie auch in anderen Fällen jedoch nicht das persönliche Gespräch. Sollten Zweifel bestehen, ob Folgen und Risiken einer elektiven Operation sowie Behandlungsalternativen verstanden worden sind, müsste die Behandlung verschoben bzw. ein Dolmetscher hinzugezogen werden.

Weitere Informationen zu diesem Fall finden Mitarbeiter im Intranet myHELIOS.

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